Die heilige Mitternacht des Jahres
Es ist nicht bloß ein Gedenken an ein fernes Stallereignis. In jeder Seele will es jetzt „Weihnacht“ werden. Friedrich Doldinger lehrte uns, das Christus-Geschehen als ein lebendiges, sich ewig erneuerndes Mysterium zu schauen. Während die Natur draußen stirbt, entzündet sich im Inneren das Geisteslicht. Es ist die Stunde, in der das „Wort Fleisch wird“ – nicht nur einst in Bethlehem, sondern als Keimkraft in jedem suchenden Herzen.
Die Leiter der zwölf Nächte
Die Zeit zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag (Epiphanias) ist eine Zeit außerhalb der Zeit. Jede Nacht steht unter einem besonderen Sternenbild, jede Nacht korrespondiert mit einem Monat des kommenden Jahres:
Die Zeit zwischen den Jahren ist ein „Riss in der Zeit“. Wir gehen in diesen Nächten einen Weg der Rückschau und des Aufstiegs. Wir beginnen bei unserer menschlichen Hülle (Fische) und steigen rückwärts durch den Tierkreis empor, bis wir am 6. Januar das Ziel erreichen.
Der Aufstieg durch die Hierarchien der Seele
1. Nacht (24./25. Dez.) – Fische: Der Mensch
Die Nacht der Besinnung auf das eigene Ich. Der Mensch erkennt sich als Gefäß für den Geist.
2. Nacht (25./26. Dez.) – Wassermann: Angeloi (Engel)
Die Begegnung mit dem persönlichen Begleiter und Schicksalshüter.
3. Nacht (26./27. Dez.) – Steinbock: Archangeloi (Erzengel)
Die Sphäre der Völkergeister. Wir weiten unser Bewusstsein für die Menschheitsfamilie.
Die Sphäre der Zeitgeister
4. Nacht (27./28. Dez.) – Schütze: Archai (Urbeginne / Zeitgeister)
„Das Werden erreicht die Seinsgewalt...“
In dieser Schütze-Nacht erkennen wir die Lenker der Zeit. Hier
wandelt sich unser flüchtiges Werden in die Kraft des bleibenden
geistigen Seins.
5. Nacht (28./29. Dez.) – Skorpion: Exusiai (Geister der Form)
Die Kräfte, die uns Gestalt und Ich-Bewusstsein verleihen.
6. Nacht (29./30. Dez.) – Waage: Dynamis (Geister der Bewegung)
7. Nacht (30./31. Dez.) – Jungfrau: Kyriotetes (Geister der Weisheit)
Die Sphäre der alles ordnenden Weltenweisheit.
Die Nacht des kosmischen Gleichgewichts und der schöpferischen Dynamik.
Silvesternacht (31. Dez./1. Jan.): Der Vater-Gott
Diese Nacht steht außerhalb der Hierarchien und des Tierkreises. Es ist der Moment der absoluten Stille, der Rückkehr in den Urgrund des Seins. Wir stehen vor dem Vater-Prinzip, aus dem alles Leben entspringt.
Der Empfang der höchsten kosmischen Mächte
8. Nacht (1./2. Jan.) – Löwe: Throne (Geister des Willens)
Die Throne opfern ihre Substanz aus dem Willen des Vaters. Die Kraft des Herzenswillens wird empfangen.
9. Nacht (2./3. Jan.) – Krebs: Cherubim (Geister der Harmonie)
Die Sphäre der Weltenharmonie. Wir empfangen die ordnende Liebe des Kosmos.
10. Nacht (3./4. Jan.) – Zwillinge: Seraphim (Geister der Liebe)
Die höchste Hierarchie, die im unmittelbaren Licht Gottes steht. Die Nacht der All-Liebe.
11. Nacht (4./5. Jan.) – Stier: Der Heilige Geist
Die Vorbereitung der Erleuchtung. Die Kraft des Geistes senkt sich in die Bereitschaft der Seele.
12. Nacht (5./6. Jan.) – Widder: Der Sohn (Christus / Logos)
Der Widder als Symbol des Weltenlamms. Die Vollendung des Aufstiegs: Wir begegnen dem schöpferischen Wort, der geistigen Sonne.
6. Januar – Epiphanias: Die Erscheinung Christi
Am Dreikönigstag manifestiert sich das in den Nächten geschaute Licht im Irdischen. Der Weg ist vollbracht: Vom Menschen durch den Vater zum Sohn.